Wir, die befreiten Häftlinge von Mauthausen, hören heute Menschen, vorwiegend Jugendliche, die Parolen schreien, die wir schon gehört haben. Wir sehen heute Menschen, die Abzeichen und Orden tragen, die wir schon gesehen haben. Wir hören Politiker-Sprüche von Ehre und Treue, die wir schon gehört haben. Wir werden berichten von den Gräueln, die wir in Mauthausen erleben mussten, von den Befehlen, denen wir folgen mussten, und von den Verbrechen, deren Zeugen wir geworden sind. Wir werden sagen, wer und vor allem warum man uns das angetan hat. Wir werden dafür kämpfen, dass das, was uns passiert ist, niemals wieder einem Menschen geschehen wird.
Nationalsozialismus und Krieg haben in Europa eine schreckliche Bilanz hinterlassen. Die befreiten Häftlinge haben im “Mauthausener Appell” die ideellen Werte der Lagersolidarität und des europäischen Widerstandes gegen den Faschismus zum Ausdruck gebracht. In Erfüllung dieses Vermächtnisses beschritten die ehemaligen Häftlinge jahrzehntelang einen gemeinsamen Weg der unteilbaren Freiheit, der nationalen Achtung und Zusammenarbeit im Gedenken an den österreichischen und europäischen Widerstand.
Das ehemalige Konzentrationslager Mauthausen ist ein stummes steinernes Zeitzeugnis und soll als Gedenkstätte dienen. Die österreichische Geschichte ist über weite Strecken hinweg von Deutschnationalismus und Antisemitismus geprägt. Die unzähligen Veranstaltungen wie die alljährlichen Befreiungsfeiern, die Gedenk- und Jugendveranstaltungen, die Führungen für Schüler/-innen und die rege Teilnahme vieler junger wie alter Menschen aus allen Teilen der Welt machen Mut und weisen in eine friedvollere Zukunft.
Die Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen hat die Errichtung ihrer Nachfolgeorganisation Mauthausen Aktiv Österreich bewirkt. Dieser Verein gilt als Nachfolgeorganisation der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen und verpflichtet sich, das antifaschistische Erbe von Mauthausen zu wahren, das Erinnern mit entschiedenem Auftreten gegen nationale und religiöse Intoleranz, gegen Rassenhass und Rechtsextremismus zu verbinden.
Das Konzentrationslager Mauthausen und die Relikte der Nebenlager sind als Gedenkstätten zu erhalten. Die bestehenden Objekte im Stammlager wie auch in den Nebenlagern sind baulich unverändert zu erhalten. Eine genaue Bestandsaufnahme aller vorhandenen Bauobjekte, Umfassungsmauern, Gegenstände usw. ist vorzunehmen und zu dokumentieren.
Das Museum soll dem Charakter des europäischen Widerstandes, der neuen Technik, der Internationalität der Opfer und der Besucher durch Mehrsprachigkeit der Erläuterungen und der angebotenen Literatur Rechnung tragen. Die Motivation zum Besuch der Gedenkstätte KZ Mauthausen soll insbesondere für Schüler aller Schultypen, für Lehrlinge und unter Jugendorganisationen verstärkt werden.
Die Republik Österreich ist aufgefordert, ihre Verpflichtung zu demokratischer Bildung und Erziehung wahrzunehmen und unabhängig von täglichen politischen Auseinandersetzungen die notwendigen Schritte zu unternehmen, um die Gedenkstätte KZ Mauthausen zu erhalten und zu fördern.